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OB Kuhn und EBM Föll legen den Jahresabschluss 2016, den Finanzzwischenbericht 2017, die Eckdaten zum DHH 2018/19 und Maßnahmen zur strukturellen Verbesserung des Stadthaushalts vor

13.07.2017 Finanzen
Kuhn: "Zufriedenstellendes Ergebnis 2016 ermöglicht Investitionen in Zukunftsaufgaben" - Föll: "Strukturelle Verbesserungen erforderlich".

Jahresabschluss Haushalt 2016OB Fritz Kuhn und Erster Bürgermeister Michael Föll erläutern die Vorlagen zur Entwicklung der städtischen Finanzen im Rathaus. Foto: Leif Piechowski
Oberbürgermeister Fritz Kuhn und Erster Bürgermeister Michael Föll haben am Donnerstag, 13. Juli 2017, die Vorlagen zur Entwicklung der städtischen Finanzen erläutert.Das Haushaltsjahr 2016 konnte mit einem Überschuss von 231,3 Mio. EUR im Ergebnishaushalt abgeschlossen werden, während sich im laufenden Jahr nach dem Finanzzwischenbericht insgesamt Verbesserungen in Höhe von ca. 76 Mio. EUR abzeichnen.
Die ursprünglich geplanten Kreditaufnahmen in Höhe von 153,6 Mio. EUR im Haushaltsjahr 2017 können vollständig vermieden werden.

Oberbürgermeister Kuhn erklärte: "Die Haushaltsentwicklung ist zufriedenstellend und bestätigt unseren Kurs, sparsam und solide zu wirtschaften, um die Zukunft Stuttgarts gestalten zu können. Wir setzen unsere freien Mittel einerseits gezielt für wichtige Zukunftsaufgaben und die Daseinsvorsorge ein und sichern andererseits bestehende finanzielle Risiken ab."

Einschließlich der bisherigen zweckgebundenen Rücklagen (200 Mio. EUR) und der bereits reservierten Mittel für den Erwerb der Wasserversorgung (110 Mio. EUR) sowie den folgenden neuen Maßnahmen (278 Mio. EUR) werden insgesamt 588 Mio. EUR für konkrete Zwecke gebunden.

Für die am 29.06.2017 vom Gemeinderat
beschlossenen Maßnahmen "Bündnis für
Mobilität und Luftreinhaltung"
25,0
Mio.EUR
Klinikum Stuttgart (Rekapitalisierung,
Ablösung der Zahlungen zur Erreichung
der "Schwarzen Null" und erhöhter
Verlustausgleich)
39,1
Mio.EUR
Württembergische Staatstheater
(Finanzrücklage für Opernsanierung)
40,0 Mio.EUR
Rosensteintunnel
(Projektrisiken/Zusatzkosten)
43,0
Mio.EUR
Investitionszuschuss an SSB (50 % der
Kosten für 20 neue Stadtbahnen, 3 Zahnradbahnfahrzeuge und den
Bau eines neuen Betriebshofs Nord)
72,5 Mio.EUR
Stadtentwässerung Stuttgart
(Ablösung von Bankdarlehen
durch Träger- bzw. Stadtdarlehen)
29,4 Mio.EUR
Verzicht auf den Globalen
Minderaufwand im Jahr 2017
29,0 Mio.EUR


Für die Sanierung des Opernhauses geht die Landeshauptstadt vorläufig von einem Finanzierungsanteil von 200 Mio. EUR aus. Zur Deckung setzt die Stadt die für 2019 erwartete Auszahlung aus der Auflösung der Garantieverpflichtung gegenüber der LBBW ein und bildet für den Rest des Stadtanteils eine Finanzrücklage von 40 Mio. EUR.

Erster Bürgermeister Föll ergänzte: "Das vorliegende Jahresergebnis konnte im Wesentlichen durch Mehrerträge bei den Steuern (insbesondere Gewerbesteuer und beim Gemeindeanteil an der Einkommenssteuer) und den laufenden Zuweisungen (insbesondere Schlüsselzuweisungen und Grunderwerbssteuer) erreicht werden. In den kommenden Jahren kann zwar von einer Verbesserung aber keinesfalls von einer Entspannung der Finanzlage ausgegangen werden. Daher ist die Umsetzung von strukturellen Verbesserungen ab 2018 zwingend erforderlich. Die entsprechenden Vorschläge umfassen ein Einsparvolumen in den Jahren 2018 bis 2020 von 27,1 Mio. EUR, 26,4 Mio. EUR und 26,1 Mio. EUR. Damit verschaffen wir uns zumindest für die Jahre 2018 und 2019 zusätzliche Spielräume zur Finanzierung neuer Aufgaben und notwendiger Investitionen."

Jahresabschluss 2016

Das Jahresergebnis 2016 konnte mit einem Jahresüberschuss in Höhe von 231,3 Mio. EUR abgeschlossen werden (geplanter Jahresüberschuss: 2,4 Mio. EUR).

Ursächlich hierfür sind insbesondere Verbesserungen auf der Ertragsseite. Die notwendigen Mehraufwendungen bei bestimmten Aufwandspositionen konnten hierdurch kompensiert werden. Auf der Aufwandsseite gab es außerdem Verbesserungen aus einem verzögerten Mittelabfluss, der allerdings künftige Jahresabschlüsse belasten wird. Im Ergebnishaushalt wurden dementsprechend Ermächtigungsübertragungen in Höhe von 61,8 Mio. EUR vorgenommen.

Im Wesentlichen sind die Verbesserungen bei den ordentlichen Erträgen (302,2 Mio. EUR) auf Mehrerträge bei den Steuern (118,5 Mio. EUR, darunter Gewerbesteuer 99,4 Mio. EUR, Gemeindeanteil an der Einkommenssteuer 13,9 Mio. EUR, Gemeindeanteil an der Umsatzsteuer 1,2 Mio. EUR), bei den laufenden Zuweisungen (107,0 Mio. EUR, darunter Schlüsselzuweisungen vom Land 74,6 Mio. EUR, Zuweisungen, Zuschüsse für laufende Zwecke 19,7 Mio. EUR, Zuweisung Grunderwerbsteuer 20,7 Mio. EUR), sonstige Transfererträge (13,5 Mio. EUR, darunter Ersätze für soziale Leistungen 10,4 Mio. EUR), öffentlich-rechtliche Entgelte (12,7 Mio. EUR, darunter Verwaltungsgebühren 3,0 Mio. EUR und Benutzungsgebühren 9,5 Mio. EUR), privatrechtliche Leistungsentgelte (5,0 Mio. EUR, darunter Ersätze Sachkosten 1,1 Mio. EUR, Mieten und Pachten 3,4 Mio. EUR), Kostenerstattungen und -umlagen (22,4 Mio. EUR, darunter Erstattungen vom Land 18,7 Mio. EUR: 8,5 Mio. EUR für unbegleitete minderjährige Ausländer, 7,4 Mio. EUR FlüAG-Pauschale) zurückzuführen.

Bei den ordentlichen Aufwendungen gab es im Saldo Mehrausgaben in Höhe von 86,8 Mio. EUR. Wesentliche Mehrausgaben betreffen die Transferaufwendungen (darunter Zuweisungen/Zuschüsse 74,9 Mio. EUR, Gewerbesteuerumlage 11,1 Mio. EUR, Veränderung FAG-Rückstellung 38,0 Mio. EUR).

Minderaufwendungen ergaben sich bei den Sach- und Dienstleistungen (33,9 Mio. EUR, insbesondere Betriebskostenpauschale Kindertagesbetreuung durch spätere Inbetriebnahme von Einrichtungen).

Das ordentliche Ergebnis beträgt somit 219,4 Mio. EUR.

Der Überschuss beim Sonderergebnis beläuft sich auf 11,9 Mio. EUR. Das Sonderergebnis ergibt sich aus außerordentlichen Erträgen in Höhe von 32,5 Mio. EUR (darunter 24,6 Mio. EUR Erträge über Buchwert aus der Veräußerung von Grundstücken und Gebäuden) sowie aus außerordentlichen Aufwendungen in Höhe von 20,6 Mio. EUR (u.a. 6,2 Mio. EUR außerplanmäßige Abschreibungen auf Dauerverlustbeteiligungen).

Im Haushaltsjahr 2016 mussten aufgrund des erzielten Finanzierungsmittelüberschusses, neben der Inanspruchnahme eines zinslosen KfW Darlehens in Höhe von 34,6 Mio. EUR für die Errichtung von Flüchtlingsunterkünften und einer Darlehensübernahme aufgrund der Übernahme eines Beteiligungsunternehmens von 0,6 Mio. EUR, keine weiteren Kreditaufnahmen getätigt werden. Die Kredittilgung belief sich 2016 auf 8,3 Mio. EUR, so dass sich der Schuldenstand des Stadthaushalts auf 58,3 Mio. EUR zum 31.12.2016 erhöht hat.

Die Schulden der Eigenbetriebe am Kreditmarkt verringerten sich um rund 30,7 Mio. EUR auf 424,5 Mio. EUR (davon SES 308,3 Mio. EUR und AWS 38,1 Mio. EUR, die über Gebühren refinanziert werden). Zum 31.12.2016 betrug der Gesamtschuldenstand der Landeshauptstadt Stuttgart 482,8 Mio. EUR.

Im Zusammenhang mit dem Jahresabschluss 2016 hat der Erste Bürgermeister auch auf die zu erstellende Schlussbilanz zum 31.12.2016 hingewiesen. Demnach beläuft sich die Bilanzsumme auf rd. 9,6 Mrd. EUR und das Kapital (Basiskapital und Rücklagen) auf rd. 7,8 Mrd. EUR. Die Kapitalquote liegt bei 81,3% (2015: 82,2 %), unter Einbeziehung der Sonderposten (vor allem Investitionszuschüsse und Erschließungsbeiträge) sogar bei 91,6 % (2015: 93,0 %).

Finanzzwischenbericht

Die mit der Mai-Steuerschätzung prognostizierte Entwicklung der Gemeinschaftssteuern bringt für den Stadthaushalt Verbesserungen von 29,1 Mio. EUR beim Gemeindeanteil an der Einkommensteuer und im Rahmen des kommunalen Finanzausgleichs höhere Schlüsselzuweisungen vom Land in Höhe von ca. 30,7 Mio. EUR.

Daneben werden Mehrerträge bei den Zuweisungen aus dem Aufkommen der Grunderwerbsteuer in Höhe von 3 Mio. EUR, bei den laufenden Zuweisungen für die Kleinkindbetreuung in Höhe von 9,5 Mio. EUR und bei den Kostenerstattungen im Bereich der sozialen Leistungen (ohne Flüchtlinge) in Höhe von 32,8 Mio. EUR erwartet.

Verschlechterungen sind auf Ertragsseite bei der Dividendenausschüttung der LBBW in Höhe von 22,6 Mio. EUR zu berücksichtigen (geplant: 60,9 Mio. EUR).  

Auf der Aufwandsseite ergeben sich Mehraufwendungen in Höhe von 12,8 Mio. EUR durch die höhere FAG-Umlage aufgrund der Ertragsverbesserungen (insbesondere bei der Gewerbesteuer) des Jahres 2015. Bei den sozialen Leistungen ergeben sich Mehraufwendungen insbesondere bei der Jugendhilfe und der Sozialhilfe von insgesamt 9,8 Mio. EUR. Entlastungen in Höhe von 9,3 Mio. EUR sind durch niedrigere Aufwendungen bei den Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz und bei der Flüchtlingsunterbringung (insbesondere Liegenschaftskosten, Betriebskosten und Kosten für die soziale Betreuung) zu erwarten. Die Verwaltung geht derzeit davon aus, dass die Zahl der unterzubringenden Personen um ca. 835 zurück geht, während man bei der Planung noch von einem Zuwachs von 1.400 Personen ausging.

Durch den Verzicht auf die Inanspruchnahme der Kreditermächtigung reduzieren sich Zinsaufwendungen für Kredite um 5,3 Mio. EUR.

Insgesamt verbessert sich damit das ordentliche Ergebnis 2017 um voraussichtlich ca. 76 Mio. EUR.

Zum 31.12.2016 beläuft sich die freie Liquidität auf 16,0 Mio. EUR. Unter Berücksichtigung der zahlungswirksamen Veränderungen aus dem Finanzzwischenbericht 2017 (- 79,1 Mio. EUR), den Finanzierungsmittel aus Stiftungsgeldern (2,5 Mio. EUR) und der bereits im Rahmen des Jahresabschlusses 2016 reservierten Liquidität in Höhe von 22,6 Mio. EUR für die niedrigere Dividendenzahlung der LBBW sowie für die Vermeidung der Kreditaufnahme 2017 in Höhe von 153,6 Mio. EUR beträgt die freie Liquidität zum Jahresende 2017 voraussichtlich 115,6 Mio. EUR.

Oberbürgermeister Fritz Kuhn machte deutlich: "Durch die Verbesserungen aus dem Jahresabschluss 2016 und der Entwicklung in 2017 werden die ursprünglich geplanten Kreditaufnahmen in Höhe von 153,6 Mio. EUR in diesem Jahr vollständig vermieden. Dies ist außerordentlich erfreulich und erspart uns auch in den Folgejahren Zins- und Tilgungsleistungen und verschafft uns etwas Spielraum bei der Finanzierung der im Doppelhaushalt 2018/2019 anstehenden Investitionen."

Vorschläge zur strukturellen Verbesserung des Stadthaushalts

Im vergangenen Jahr hat der Gemeinderat aufgrund der Verbesserungen im Jahresabschluss 2015 beschlossen, die Umsetzung des in der Finanzplanung ab 2017 veranschlagten Globalen Minderaufwands auf 2018 zu verschieben. Die Verwaltung hat dazu nun entsprechende Vorschläge vorgelegt. Im Hinblick auf die in der bisherigen mittelfristigen Finanzplanung ausgewiesenen Unterdeckungen ist die Umsetzung der strukturellen Maßnahmen weiterhin zwingend notwendig. Im Rahmen der Genehmigung des Doppelhaushalts 2016/2017 hat das Regierungspräsidium Stuttgart die Erarbeitung eines Konzepts zur strukturellen Stärkung des Ergebnishaushalts und zur Erreichung des dauerhaften Einsparziels in Höhe des veranschlagten Globalen Minderaufwands von 29 Mio. EUR ausdrücklich begrüßt.

Das Entlastungsvolumen der Maßnahmen summiert sich in den Jahren 2018 bis 2020 auf 27,1 Mio. EUR, 26,4 Mio. EUR und 26,1 Mio. EUR.

Die Maßnahmen teilen sich in 2 Kategorien auf:

Die Maßnahmen der Kategorie 1 liegen in der Verwaltungszuständigkeit und können ohne weitere Beteiligung des Gemeinderats umgesetzt werden. Diese Maßnahmen belaufen sich auf 12 Mio. EUR in 2018, 11,2 Mio. EUR in 2019 und 10,8 Mio. EUR in 2020.

Die Maßnahmen der Kategorie 2 bedürfen abschließend der Zustimmung des Gemeinderats. Diese Maßnahmen summieren sich auf jeweils 15,2 Mio. EUR in den Jahren 2018 bis 2020.

Die dauerhaften haushaltswirksamen Verbesserungen von 26,1 Mio. EUR verteilen sich auf Erträge (12,6 Mio. EUR), Personalaufwendungen (1,3 Mio. EUR), Sachaufwendungen (9,4 Mio. EUR) sowie Zuschüsse/Transferaufwendungen (2,8 Mio. EUR).

Die Schwerpunkte bei den Erträgen liegen in der Neukalkulation der Benutzungsgebühren für Flüchtlings- und Wohnungslosenunterkünfte (5,8 Mio. EUR), der Erhöhung des Steuersatzes für Gewinnspielgeräte bei der Vergnügungssteuer (1,4 Mio. EUR), den Zinserträgen für neue Trägerdarlehen an den Eigenbetrieb Stadtentwässerung (1,9 Mio. EUR) sowie weiteren Anpassungen von Gebühren und Entgelten in verschiedenen Bereichen.

Auf die Personalaufwendungen entfallen nur rund 5 % der Gesamteinsparungen. Es werden nur Stellen zur Streichung vorgeschlagen, die bereits unbesetzt sind bzw. über die normale Fluktuation und die Versetzung in den Ruhestand frei werden.

Bei den Sachaufwendungen ergeben sich die strukturellen Verbesserungen im Wesentlichen aus der Vermeidung von Kreditaufnahmen in 2016 und 2017 und der damit verbundenen Zinsersparnis (8 Mio. EUR in 2018) in den Folgejahren. Darüber hinaus werden vertretbare Anpassungen bei den Sachaufwendungen der städtischen Ämter vorgeschlagen.

Im Bereich der Zuschüsse ergibt sich eine Entlastung in den Folgejahren insbesondere beim Klinikum mit der Ablösung der Zahlungen zur Erreichung der sogenannten "Schwarzen Null" durch eine Einmalzahlung aus der Verbesserung des Jahresabschlusses 2016. Damit können die künftigen Zuschüsse aus dem Stadthaushalt für diese Zwecke entfallen (2018: 4,1 Mio. EUR).

Oberbürgermeister Kuhn sagte: "Wir sind bei der Auswahl der Maßnahmen wirkungsorientiert vorgegangen und haben keine für die Verwaltungsbereiche schmerzhaften Vorschläge gemacht. Damit die Haushaltswirkung eintritt, ist es zwingend notwendig, die vorgeschlagenen Maßnahmen ohne Abstriche umzusetzen. Hierüber muss jetzt der Gemeinderat entscheiden."

Eckdatenbericht zum Doppelhaushalt 2018/2019

Auf der Basis der heute bekannten Daten und Fakten hat die Verwaltung dem Gemeinderat die Eckdaten für die Ergebnishaushalte 2018 und 2019 vorgelegt. Die Grundlage für den Bericht bildet die Fortschreibung der Ämterbudgets für die laufende Aufgabenerledigung und die Hochrechnungen auf der Ertragsseite.

Bei der Gewerbesteuer wird von einem Aufkommen von 610 Mio. EUR in 2018 und 620 Mio. EUR in 2019 ausgegangen. Damit liegen die Ansätze um 15 bzw. 20 Mio. EUR über den bisherigen Annahmen der Finanzplanung (2018: 595 Mio. EUR und 2019: 600 Mio. EUR). Die Planansätze liegen allerdings immer noch deutlich unter den Ergebnissen vor der Finanz- und Wirtschaftskrise (2009: 669 Mio. EUR, 2008: 632 Mio. EUR, 2007: 719 Mio. EUR).

Auch beim Gemeindeanteil an der Einkommenssteuer (+ 25,2 / + 25,7 Mio. EUR)
und der Umsatzsteuer (+ 42 / + 36,4 Mio. EUR) sowie bei den Schlüsselzuweisungen (+ 11 / + 35,2 Mio. EUR) wird mit Verbesserungen gegenüber den bisherigen Finanzplanungsansätzen 2018/2019 gerechnet. Hier machen sich das gestiegene Aufkommen der Gemeinschaftssteuern und der FAG-Umlage sowie die steuerkraftbezogenen Auswirkungen bemerkbar. Beim Gemeindeanteil an der Umsatzsteuer resultiert das Mehraufkommen insbesondere aus dem 5 Mrd. Entlastungspaket des Bundes, das ab 2018 voll wirksam wird.

Deutlich niedrigere Kostenerstattungen (- 29,2 / - 29,1 Mio. EUR) als in der Finanzplanung angenommen sind hauptsächlich durch die sinkende Zahl an aufzunehmenden Flüchtlingen zu begründen.

Bei den Dividendenausschüttungen sind die bereits in den Vorjahren eingetretenen negativen Entwicklungen bei den Ausschüttungen der LBBW fortzuschreiben, wodurch hier die Planansätze weit unter den bisherigen Finanzplanungswerten von jährlich 63,4 Mio. EUR liegen (- 36,9 / - 37,1 Mio. EUR).

Mehraufwendungen gegenüber der Finanzplanung sind 2018/2019 bei den Personalaufwendungen (+ 9,1 / + 7,4 Mio. EUR) veranschlagt, wofür neben notwendigen Stellenschaffungen insbesondere eine neue Entgeltordnung im Beschäftigtenbereich und Änderungen bei Beihilfe- und Versorgungslasten ursächlich sind.

Während bei den Sach- und Dienstleistungsaufwendungen Reduzierungen um 58,8 Mio. EUR in 2018 bzw. um 56,3 Mio. EUR in 2019 gegenüber der Finanzplanung möglich waren, die im Wesentlichen darauf zurückzuführen sind, dass die Ansätze für die Kita-Betriebskostenpauschale entsprechend dem tatsächlichen Mittelabfluss anzupassen waren und sich Entlastungen bei der Flüchtlingsunterbringung ergeben, mussten bei der FAG-Umlage 36 bzw. 25,7 Mio. EUR mehr veranschlagt werden, als bisher angenommen. Insgesamt steigen die erwarteten ordentlichen Aufwendungen 2018 damit leicht an (+1,8 Mio. EUR), 2019 wird derzeit mit einem geringfügigen Rückgang von knapp 6 Mio. EUR im Vergleich zur bisherigen Annahme in der mittelfristigen Finanzplanung von vor zwei Jahren gerechnet.

Nach der derzeitigen Planung der Eckdaten ergibt sich in 2018 und 2019 ein Überschuss im Gesamtergebnis von 50,8 Mio. EUR bzw. 37,4 Mio. EUR.

Erster Bürgermeister Föll erläuterte: "Der derzeitige Planungsstand ist lediglich ein Zwischenstand nach Abschluss der internen Budgetierung. Bis zur Haushaltseinbringung am 28.September 2017 werden die zusätzlichen Vorschläge der Verwaltung in der "grünen Liste" zusammengefasst und eingerechnet sein. Dadurch werden sich die Überschüsse deutlich verringern. Von einer Entspannung der Haushaltslage kann daher nicht gesprochen werden."

Zusammenfassende Betrachtung

Auch wenn erneut ein zufriedenstellender Abschluss vorgelegt wird und auch das laufende Jahr besser abschließen wird als ursprünglich geplant, sind die finanziellen Spielräume für die Zukunft sehr eingeschränkt. Im Hinblick auf die in der bisherigen Finanzplanung ausgewiesenen Unterdeckungen in den Ergebnishaushalten ist, wie vom Regierungspräsidium im Rahmen der Genehmigung des Doppelhaushalts 2016/2017 gefordert, der seit vielen Jahren praktizierten Spar- und Konsolidierungskurs sowie die verantwortungsbewusste und stabilitätsorientierte Finanzpolitik konsequent weiterzuführen.

Nur so kann der Kreditbedarf zur Finanzierung von Investitionen in Grenzen gehalten und mittelfristig die strukturelle Unterfinanzierung des Stadthaushalts verbessert werden. Dazu ist auch die Umsetzung der vorgeschlagenen Maßnahmen zur strukturellen Verbesserung des Stadthaushalts ohne Abstriche notwendig. Das haben Oberbürgermeister Kuhn und Erster Bürgermeister Föll deutlich gemacht.

Im Zusammenhang mit den im Herbst anstehenden Haushaltsplanberatungen haben der Oberbürgermeister und der Erste Bürgermeister auf die zahlreichen Ideen der Stuttgarterinnen und Stuttgarter hingewiesen, die im Rahmen des Bürgerhaushaltes eingereicht wurden. Im Frühjahr 2017 hatte die Landeshauptstadt Stuttgart bereits zum vierten Mal zur Teilnahme an diesem Bürgerbeteiligungsverfahren aufgerufen. Rund 51.900 Einwohner nutzten die Gelegenheit um weit mehr als 3000 eigene Vorschläge zum städtischen Haushalt zu unterbreiten und diese mit über 1,2 Millionen Stimmen zu bewerten. Anhand der Stimmabgaben wurden die Vorschläge in eine Rangfolge gebracht und die bestbewerteten 130 Vorschläge ermittelt.

"Die Stuttgarterinnen und Stuttgarter haben sich mit viel Engagement aber auch mit großem Sachverstand und Ideenreichtum an der Gestaltung des städtischen Etats beteiligt, um damit an der Zukunft ihrer Stadt mitzuwirken", bedankte sich Oberbürgermeister Kuhn bei dieser Gelegenheit nochmals ganz herzlich für das große Interesse am Bürgerhaushalt. Er geht davon aus, dass der Gemeinderat bei den Haushaltsplanberatungen im Herbst die Vorschläge genau prüfen und für die Jahre 2018 und 2019 gute Ideen aufgreifen und berücksichtigen wird.

Weitere Informationen

Gesamtergebnis des Ergebnishaushalts (PDF)
Steuern, allgemeine Zuweisungen und Umlagen (PDF)
Gewerbesteuer (PDF)
Soziale Leistungen der Stadt Stuttgart 2007 bis 2019 (PDF)
Schuldenstand (PDF)
Zinsaufwand für externe Kredite (PDF)
Investitionen und Investitionsförderungsmaßnahmen (PDF)
Diagramm Investitionen und Investitionsförderungsmaßnahmen (PDF)