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OB Kuhn übergibt "Plusenergieschule" - Sanierte Uhlandschule produziert mehr Energie als sie verbraucht

14.07.2017 Aktuelles
Erstmals in Europa erzeugt eine Grund- und Werkrealschule mehr Energie als sie verbraucht. Die Landeshauptstadt Stuttgart hat rund 20 Millionen Euro investiert und die Uhlandschule zur "Plusenergieschule" gemacht. Die Schule speist im Jahresschnitt so viel Energie in das Netz ein, wie 50 Vierpersonenhalte verbrauchen.

Rund vier Jahre dauerten die Sanierungsarbeiten. Bei einer Feier übergab Oberbürgermeister Fritz Kuhn am Freitag, 14. Juli, nun das Gebäude an die Leiterin der Uhlandschule, Beate Anderka.

OB Kuhn übergibt 'Plusenergieschule'Feierliche Übergabe nach rund vier Jahren Sanierung (v.l.): Dr. Henrik Siegle (Bosch), Oberbürgermeister Fritz Kuhn, Schulleiterin Beate Anderka, Robert Schild (Saint-Gobain) und Hans Erhorn (Fraunhofer-Institut) umrahmt von Schülerinnen und Schülern der Uhlandschule. Foto: Thomas Wagner/Stadt Stuttgart
OB Kuhn sagte: "Wir können stolz sein auf die Uhlandschule. Hier haben wir gezeigt: 'Stuttgart kann Innovation'. Diese Schule ist eine Verpflichtung für die Zukunft, ähnliche Projekte anzupacken." Er dankte dem Amt für Umweltschutz, dem Hochbauamt und Schulverwaltungsamt sowie den beteiligten Unternehmen, dem Bund und dem Land für die geleistete Arbeit und Unterstützung. "In der Uhlandschule erleben wir eine kluge Kombination aus Einsparung und Effizienz. Für das Umfeld ist die Schule auch ein Ansporn: Vielleicht fragt sich der ein oder andere, inwieweit er sein Haus oder seine Wohnung energiesparend sanieren kann." Die Umsetzung der Energiewende gelinge nur, wenn alle anpacken. Der OB weiter: "Mein Wunsch an die Lehrer: Geben Sie das Wissen um Energie an die Schüler weiter, regen Sie sie an, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, vielleicht ergreift ja auch der ein oder andere einen Energieberuf." 

Robert Schild, Marketing Manager der Firmengruppe Saint Gobain, sagte: "Die Uhlandschule ist ein fantastisches Beispiel der Energiesanierung. Dem globalen Anspruch des Klimaschutzabkommens von Paris wird diese Schule schon jetzt gerecht. Zudem machen wir hier auch keine Kompromisse an Qualität und Technik. Unsere Zusammenarbeit hat deutlich gemacht: 'Vielleicht ist man allein schneller, sicher kommt man gemeinsam weiter.'" 

Dr. Henrik Siegle, Mitglied der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH sagte: "Die Schule zeigt wie klimaneutrale, nachhaltige Stadtplanung aussehen kann. Wir haben uns hieran gern beteiligt. Die Heizungsanlage holt viermal mehr Energie aus dem Boden, als sie selbst zum Betrieb benötigt."

Energiekosten von 70.000 € im Jahr eingespart

Die Uhlandschule in Stuttgart-Zuffenhausen verbraucht vor der Sanierung Energie für mehr als 70.000 Euro im Jahr. Diese Kosten entfallen komplett. Jetzt decken lokale und erneuerbare Energiequellen den gesamten Energiebedarf der Schule. Durch die vollständige Dämmung von Gebäudehülle, Fußboden und Dach sowie die Dreischeibenverglasung der Fenster konnte etwa der Wärmeverlust um 80 Prozent gesenkt werden. 

Neu in der Uhlandschule ist auch das sogenannte hybride Belüftungssystem. Hierbei kommen ausschließlich im Winter Lüftungsgeräte zum Einsatz. Sie sind in jedes Klassenzimmer eingebaut. Im Gegensatz zu herkömmlichen Lüftungen, die stetig arbeiten, messen die neuen Geräte die CO2-Konzentration im Raum. Erst wenn der CO2-Wert zu hoch ist, wird Luft ausgetauscht. Auf diese Weise kann in der kalten Jahreszeit 90 Prozent der Wärme zurückgewonnen und Energie gespart werden.

Den größten Teil des Jahres belüften die Fenster sowie Flügel in der Außenhülle des Gebäudes die Räume. Ein neues Sonnenschutzsystem verhindert hier eine sommerliche Überhitzung und sorgt gleichzeitig für ausreichend Helligkeit. Im Zuge der Arbeiten erhielt auch der Erweiterungsbau ein neues Lichtband, das das Atrium mit Tageslicht erhellt. 

In den kommenden zwei Jahren testet das Amt für Umweltschutz das sanierte Hauptgebäude, um das Plus in der Energiebilanz zu bestätigen. Gleichzeitig können so Erfahrungen mit den sanierten Gebäuden und den neuen Technologien gesammelt und der Betrieb der Schule optimiert werden.

Bis 2050 soll Stuttgart "klimaneutral" sein

Ziel der Stadt ist es, eine nachhaltige Energieversorgung zu entwickeln. Bis 2050 will die Landeshauptstadt klimaneutral, das heißt ohne fossile Energien auskommen. Dabei spielen öffentliche Gebäude, insbesondere Schulen, eine wichtige Rolle. So macht der Anteil von Schulen in Stuttgart an den städtischen Gebäudeflächen 40 Prozent aus. 20 Prozent sind es bei den Betriebskosten für den Energiebedarf. Zu den Projekten zählt hier unter anderem der städtische Plusenergie-Kindergarten Osumstraße in Stuttgart-Plieningen, das 2014 energetisch sanierte Solitude-Gymnasium sowie der für 2018/2019 geplante Neubau der Sporthalle auf der Waldau. 

Das Projekt "Plusenergieschule" wurde vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie im Rahmen der Energieforschung mit 4,4 Millionen Euro gefördert. Das Fraunhofer-Institut für Bauphysik unterstützte die wissenschaftliche Begleitforschung. Die Robert Bosch GmbH beteiligte sich mit Sachspenden an dem Projekt, die Saint Gobain Firmengruppe unterstützte den Umbau mit 270.000 Euro sowie Materialspenden. 980.000 Euro kamen aus der Schulbauförderung hinzu.